everydaily life

Oh, Ohio

So, da bin ich nun. Fast sechs Monate all the way über dem großen Teich, und noch immer plagt mich der Impuls, beim Einkauf der freundlichen Kassiererin meine Kreditkarte in die Hand zu drücken. Dabei muss man die hier selbst durch den Kartenleser ziehen. Nunja. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Dabei hätte man doch eigentlich ausreichend Zeit, in der lose verteilten Schlange an der Kasse wartend, sich auf den Bezahlvorgang vorzubereiten. Denn Stress und wütend nach zusätzlichem Kassenpersonal klingelnde Kunden/innen gibt es hier nicht. Im Gegenteil. Nach dem obligatorischen ‘And how are YOU doing today?’ gibt es meist einen kleinen Smalltalk und ein sich eher in Zeitlupe bewegendes Kassenpersonal, das die Produkte meiner Wahl freundlicherweise auf gefühlt dreihundert Plastiktüten verteilt (weil ich ebenfalls vergessen habe, rechtzeitig auf meine mitgebrachten -deutschen- Stoffbeutel hinzuweisen), die ich dann im Auto verstauen kann. Willkommen in den Suburbs von Ohio : )

In den Kategorien ‘Spannung’, ‘Belebtheit’ und ‘Aufregend’ rangieren sie meiner Anicht nach auf dem selben Level wie in Ostdeutschand (und vermutlich auch dem Rest des Landes), aber ansonsten sind doch viele Dinge neu und interessant.

Denn auch ohne jemals sonderlich viel Zeit vor dem deutschen Fernseher verbracht zu haben, kommt man ja doch mit einer ganzen Menge Erwartungen im Land der Unbegrenzten Möglichkeiten an. Laut Statistik geben über 80% der befragten 18- bis 29jährigen deutschen FernsehschauerInnen eine Lieblingsserie ‘made in USA’ an, sagt die ‘Welt’. Nun, in Retrospektive, fällt es mir auch ziemlich schwer irgendetwas zu erinnern, das ich regelmäßiger geschaut hätte und NICHT aus den USA kam. Also: viiiiiel Material über viele Jahre konsumiert, um sich ein Bild von diesem großen, fremden und dank TV doch überraschend vertrauten Land zu machen.

Viele dieser Erwartungen und Klischees  sind mir gar nicht bewusst gewesen, bis ich mich in bestimmten Situationen wiederfand, in denen mich das Gefühl beschlich…’Mensch, das kennste doch irgendwoher?’ Ein erstes Beispiel – und ich fürchte viele werden noch folgen: Wie war das doch gleich bei ‘South Park’ – der Serie, die ich zur Abizeit öfter geschaut habe? Der Schulbus, richtig! Nun, heute kann ich sagen: GENAU SO ist es! Und GENAU SO sieht es aus. Zwar nisten auf dem Kopf der  Schulbusfahrerin keine Vögel oder sonstiges Gefleuch, doch handelt es sich aber um eine ältere Frau mit leicht wirrem Haar in einem großen gelben Schulbus, der direkt vor unserem Haus zischend und keuchend hält und meinen dort wartenden Sohn aufsammelt. Oft hat die Bus driver lady auch noch irgendwas zu sagen. Vermutlich sowas wie ‘And how are YOU today?!’ Was würde ich darum geben, einmal mit in so einem Bus zu fahren…

Wie sagte doch der nette amerikanische Tourist, auf dem Weg nach Afrika zum Jagdurblaub, einst im Flieger neben mir? ‘Oh, Ohio – yes, that’s average America. You can’t get much more average than that’. Und bisher scheint er recht zu behalten. Zwar gibt es ab und an Meldungen aus größeren Städten in der Umgebung über Schießerei hier, versehentlich von Kind erschossenes Kind da und Bankräubersuche dort….aber wir sind ja in den Suburbs. Die sind vermutlich überdurchschnittlich durchschnittlich. Ha.

Und weil es eins der wohl schönsten Klischees ist, hier noch ein Bild vom Warten auf den Schulbus am ersten Schultag 2015:

IMG_9803

Und hier zum Vergleicht South Park:

https://i2.wp.com/26.media.tumblr.com/tumblr_ldqq7d3IzO1qfvwdyo1_500.png

(http://26.media.tumblr.com/tumblr_ldqq7d3IzO1qfvwdyo1_500.png)

😀

See you soon!

Die Auswandererin

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